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Maschinenbaustudium an der TU-Dresden, Honda CB1, Simson S51, Suzuki Motorräder und Trabant P601
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Bei der Honda CB1 die Ventile einstellen

Ventile einstellen
Der Wartungsintervall, siehe Wartungsplan, für das Ventilspiel liegt bei 16000mls. Das ist ein sehr langes Intervall und sollte deswegen nicht vergessen werden. Auch der Ölwechsel aller 8000mls ist wichtig in Anbetracht der hohen Drehzahlen.
Ein korrektes Ventilspiel ist wichtig für die Leistung, Lebensdauer und Geräuschpegels des Motors. Schon am Geräusch erkennt man, dass das Ventilspiel nicht mehr in den angegeben Toleranzen liegt. Wenn der Motor kalt ist hört man das klackern der Nockenwelle wenn sie auf die Ventile aufschlägt. Sollte dieses klackern bei warmen Motor noch immer deutlich zu hören sein sollte man das Ventilspiel überprüfen und ggf. einstellen.
Wird zu lange mit dem einstellen des Ventilspieles gewartet können teure Folgeschäden eintreten.
Ist das Ventilspiel zu hoch entstehen Oberflächenschäden an den Nockenwellen und den Tassenstößeln. Die Nockenwelle gleitet dann nämlich nicht mehr auf die Tassenstößel sondern schlägt recht hart auf. Davon verschleißt der Nocken sehr stark und der Tassenstößel verliert seine ebene Fläche.
Ist das Ventilspiel dagegen zu gering, verschleißen auch die Nockenwelle und die Stößel, weil kein Schmierfilm dazwischen aufgebaut werden kann. Es kann aber auch passieren, das ein Auslassventil nicht richtig geschlossen wird und dieses dann überhitzt. Wird ein Auslassventil richtig geschlossen, gibt es normalerweise seine Wärme über den Ventilsitz ab. Wenn es nicht schließt ist dies nicht möglich, deswegen strömen dann ständig heiße Abgase daran vorbei. Im schlimmsten Fall schmilzt es dann weg.
Man kann das Ventilspiel selber einstellen, da es in einer Fachwerkstatt meist sehr teuer ist. Es ist nicht einfach aber machbar.
So viel zur schlimmen Theorie, gehen wir zur Tat über:

Wir verschaffen uns den nötigen Freiraum, der für diese Arbeit notwendig ist.
Dazu muss der Tank, die kleinen Seitendreiecke und der Luftfilterkasten heruntergenommen werden. Das ist das Mindeste was demontiert werden sollte. Will man sich die Finger nicht ganz abbrechen sollte auch noch der Kühler demontiert werden.
Ich empfehle den Zylinderkopf und alles drum herum gründlich zu reinigen, damit dann beim schrauben kein Dreck reinfällt. Ein kleines Steinchen kann echt hässliche Fressspuren verursachen.
Jetzt können auch die Zündkerzenkabel abgezogen werden, lasst aber die Zündkerzen noch drin. Schreibt aber drauf welcher wo steckte. Üblicherweise ist der linke Zylinder, in Fahrtrichtung gesehen, die Nr.1. Das steht auch meist noch ganz schwach auf den Kabeln nähe der Stecker drauf. Das ganze sollte dann so aussehen:

Überblick

Dann müssen wir erst mal den Ventildeckel abnehmen. Klingt einfacher als es ist. Dazu lösen wir erst mal alle acht Schrauben obendrauf. Dann sollte. man sich einen Gehilfen holen. Jetzt heben wir den Ventildeckel an. Wenn er mit Dichtmasse montiert wurde könnte das schwierig werden. Wenn die Kraft mit bloßen Händen nicht reicht dann bitte KEINEN Schraubezieher verwenden um ihn abzuhebeln. Das weiche Aluminium kann bei rohen Gewalteinflüssen sehr nachtragend sein. Besser ist ein Stückchen Kantholz und gefühlvolle Hammerschläge an die Seite vom Ventildeckel. Irgendwann löst er sich meistens doch. Wenn alles nix hilft doch den Schraubzieher zärtlich ansetzen. Ist der Deckel erst mal runter sollte es so aussehen:

draufsicht1 draufsicht2

Jetzt kann man das vorhandene Ventilspiel messen. Man benötigt dazu Fühlerlehren um das vorhandene Ventilspiel auf 0,01mm genau bestimmen zu können. Solche sind zum Beispiel bei POLO erhältlich (Best.Nr.: 60170400050).

Das Ausmessen funktioniert so:
Zunächst muss der jeweils auszumessende Zylinder auf OT gedreht werden, so dass Tassenstößel und Nocken eine Linie bilden und der Nocken von ihm weg zeigt (wie?). Um beim einfacheren anzufangen, beginnen wir mit den Auslassventilen, da man an sie leichter rankommt. Beim Auslassventil sollen 0,2 mm Spiel vorhanden sein. Wir schieben also einen Fühler zwischen Nockenwelle und Tassenstößel von 0,2 mm Stärke drunter. Geht dies leicht, nehmen wir den nächsten dazu also 0,21 mm. Das machen wir solange bis die Fühler noch saugend drunter passen. In dem Moment wo es nicht mehr passt habt ihr zuviel genommen und die vorhergehende Stärke entspricht eurem Ventilspiel. Dieses gemessene Spiel notiert ihr euch logisch Sinnvoll auf einem Zettel. In der Mitte der Nockenwelle kann man sich meist die Finger brechen. Deswegen empfehle ich den Kühler mit abzubauen, da man sonst den Heldentod stirbt. Um das jweilige Einlassventil auszumessen muss die Kurbelwelle eine Umdrehung im UZS weitergedreht werden. Das Ventilspiel sollte hier 0,15 mm betragen. Ist dies für alle Ventile erledigt müssen wir die Nockenwellen entfernen.
messen

Bevor diese aber entfernt werden, müssen wir erst mal die Position der Nockenwellenzahnräder markieren. Wir entfernen jetzt die Zündkerzen und bringen den Zylinder 1 auf den oberen Todpunkt. Um die Kurbelwelle drehen zu können wird der rechte verchromte Zierdeckel, anschließend die große und kleine Inbusschraube entfernt:

Zierdeckel1 Zierdeckel2

Unter der großen Inbusschraube kommt eine neue Sechskantschraube zum Vorschein. Im Uhrzeigersinn lässt sich mit ihr die Kurbelwelle drehen. Für den oberen Todpunkt sollten beide Markierung übereinander stehen. Jetzt markieren wir mittels einem dicken Edding die Zahnpositionen an den Nockenwellen. Dazu empfehle ich eine Markierung gegenüber der beiden Zahnräder, jeweils eine am Zahnrad zum Rand des Zylinderkopfes hin und jeweils eine die den Zahneingriff vom unteren Zahnrad wiedergibt. Bei mir sieht das dann so aus:

Zierdeckel3 Markierungen

Jetzt können die Gleitlagerschalen von den Nockenwellen entfernt werden. Ich empfehle mit einer Nockenwelle anzufangen und nicht gleich beide. Dazu über Kreuz die acht schrauben der beiden Lagerschalen langsam lösen. Langsam verkanten sich bestimmt die Lagerschalen, da die eingedrückten Ventile sich langsam entspannen können. Wenn die Schrauben gelöst sind können die Lagerschalen entfernt werden. Diese sind von Haus aus beschriftet. Es sind Schriftzüge aufgegossen INT für Einlass EXT für den Auslass und dazu immer L oder R. Nicht zu treffende Beschriftungen sind weggeschliffen. Jetzt kann auch die Nockenwelle entfernt werden. Diese ebenfalls wie Lagerschalen beschriftet. Vielleicht solltet ihr sie noch mit einer Markierung versehen, wo Zylinder 1 ist. So sollte das dann aussehen.

Ohne Nockenwelle Tassenstößel
 
Jetzt sind alle 16 Tassenstößel zu sehen.

Bei manchen stellt sich die Frage: "Und wo soll jetzt das Ventilspiel eingestellt werden?" Diese Ventile heißen Tassenstößel, da sie wie eine umgekehrte Tasse auf dem Ventilschaft liegt. Unter den Tassen sind kleine Distanzscheiben die auf 0,01mm genau geschliffen sind. Durch die Variation der Stärke dieser Scheiben kann man das Ventilspiel einstellen. Um an die Scheiben heranzukommen müsst ihr die Tassenstößel herausnehmen. Ich empfehle jede einzeln herunter zu ziehen. Dazu nehmt ihr eine Spitzzange und setz Vorsichtig am Rand des Tassenstößels an. Anschließend gefühlvoll herausziehen. Nicht wundern wenn die Scheibe nicht zu sehen ist. Schaut im Tassenstößel nach, wegen der Ölschicht kleben sie dort meistens drin. Auf der Scheibe sollte ein dreistellige Zahl stehen. Sie gibt die Stärke in Hundertstelmillimeter an.
Distanzscheibe
Auch diese notieren wir uns zum zugehörigen Ventilspiel. Ist die Schrift nicht vorhanden, kann man sie mit einen digital Messschieber oder einer Mikrometerschraube ausmessen. Anschließend legen wir die Scheibe erstmal wieder auf das Ventil, schieben den Tassenstößel drauf und widmen uns dem nächsten Ventil.
Sind alle ausgemessen folgt das Kopfrechnen. Wenn das Ventilspiel zu groß war, muß die Scheibe dicker werden und umgekehrt. Das Ventilspiel für den Einlass liegt bei 0,15 mm und für den Auslass 0,20 mm. Toleranz jeweils +/- 0,02 mm.
Beispiel haben wir beim Auslass 0,25mm Ventilspiel gemessen und haben eine 210er Scheibe drunter, dann muss die Scheibe um 0,05 mm dicker werden, da das Ventilspiel ja 0,20mm betragen soll. Wir benötigen also eine 215er Scheibe.
Was für Scheiben benötigt werden lässt sich leicht an den Notizen herausfinden. Meist kann man auch vorhandene Scheiben wieder verwenden, da das Ventilspiel bei Ihnen auch nicht gestimmt hat.
Selten kommt man wirklich auf die gewünschten Werte. +/- 0,02 mm sind in Ordnung und werden auch vom Hersteller so angegeben. Ich persönlich versuche meist +/- 0,01 mm. Wenn das Ventilspiel nicht erreicht werden kann oder gerade so in der Toleranz liegt dann bitte folgendes beachten: Einlassventilen lässt man lieber mehr Spiel. Diese schlagen sich im Laufe der Zeit in den Ventilsitz ein, dadurch verringert sich von selbst das Ventilspiel. Wenn zu lange gewartet wird, kann auch 0 mm Ventilspiel rauskommen was sehr schlecht ist.
Auslassventile hingegen werden lieber etwas enger vom Ventilspiel eingestellt. Die Russpartikel der Abgase legen sich auf dem Ventil und dem Ventilsitz ab. Dadurch kann das Ventil nicht mehr so weit zurück und das Ventilspiel vergrößert sich von selbst.
Bitte aber immer die Toleranz von +/- 0,02 mm einhalten.
Gute Hondahändler nehmen eure gebrauchten Scheiben in Zahlung und ihr könnt auch gebrauchte erwerben. Die Qualität nimmt nicht ab, da sie nicht verschleißen können. Sind ja nur "Distanzscheiben". Werden die Intervalle eingehalten braucht man im Schnitt 6 - 7 neue Scheiben. Bis zu 80€ können diese schon kosten. In Dresden kann ich den Lutz mit seinem Laden Heelclicker empfehlen.
Jetzt tauscht man die frisch erworbenen Scheiben aus und hat damit eigentlich schon das Ventilspiel eingestellt. Aber es muss ja wieder alles zusammengesetzt werden. Wir setzen also wieder die Nockenwellen drauf.
Achtet darauf, dass die wieder die richtigen Zähne im Einsatz sind. Wenn die Position nicht stimmt verliert der Motor an Leistung und Laufkultur. Im schlimmsten Fall zerstört ihr den Zylinderkopf, weil der Kolben auf offene Ventile trifft.
Die Schrauben der Nockenwellenlagerschalen langsam über Kreuz einschrauben. Dabei wird es sicherlich nicht ohne verkanten gehen, da einige Ventile durch die Nocken nieder gedrückt werden und dadurch die Nockenwelle nach oben drücken. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl bekommt man das hin.
Die Schrauben aber bitte mit einen Drehmomentenschlüssel festziehen M = 10Nm. Es ist ganz weiches Alu und ihr wisst nach Fest kommt ab. In unserem Fall nicht ab, sondern Innengewinde weg und damit Riesen Problem. 10 Nm sind wirklich ganz wenig. Man braucht nicht viel, da sich das Alu im Gewinde setzt und damit die Schraube gut gehalten wird. Für die, die keinen Drehmomentenschlüssel haben: Nehmt einen 10er Ringschlüssel und zieht die Schraube mit dem Zeigefinger fest, dann macht ihr das Gewinde nicht kaputt. Jetzt kann die CB1 wieder zusammen gesetzt werden.
Die alte Ventildeckeldichtung würde ich mit Hylomar abdichten, sonst tropft vielleicht immer etwas Öl raus und das wollen wir ja nicht. Wer viel Geld ausgeben möchte kann jetzt eine neue Ventildeckeldichtung einsetzen.
Drehmomentenschlüssel
Das ist auch schön wenn man mal wieder die Ventile einstellt, da man dann nicht die ganzen Dichtmittelreste wieder entfernen muss.

Ist die Honda wieder zusammengesetzt und schnurrt wieder, kann man ihr auch gleich einen Ölwechsel spendieren. Mit dem "Blut" von Castrol habe ich sehr gute Erfahrung gemacht. Die Kupplung rupft nicht und die Gänge lassen sich schön geschmeidig einlegen.

Im übrigen: Bevor ihr den Tank wieder drauf setzt könnt ihr auch gleich noch die Vergaser synchronisieren. Aber dafür gibt es demnächst eine extra Anleitung. Viel Erfolg!

Alle Lorbeeren gehen an Julius Roch (julius.roch<at>gmx.de), von dem dieser Bericht stammt.